Jahr für Jahr verfolge ich den MWC in Barcelona. Auch heuer wurden viele tolle Smartphones vorgestellt. Doch eines hat mich besonders interessiert. Es ist aus der Masse an Neuvorstellungen herausgestochen: das Nokia 9 PureView.

Dieses Smartphone beeindruckt mit gleich fünf Kameras auf der Rückseite und mit dem Versprechen, die Smartphone-Fotografie zu revolutionieren. Mit der zusätzlichen Kooperation mit Adobe und der Zusammenarbeit mit Light ist das schon eine Ansage.

Das Nokia 9 PureView wurde schnell zu meinem persönlichen Highlight der Messe. Lesen Sie, ob es meine doch sehr hohen Erwartungen erfüllt!

Verarbeitung und technische Ausstattung

Nokia bzw. HMD Global möchte mit dem Nokia 9 PureView nicht nur Fans mobiler Fotografie überzeugen, sondern auch beweisen, dass sie High-End können. Somit wurde in das Nokia 9 PureView alles gepackt, was ein High-End-Smartphone benötigt.

Vorder- und Rückseite bestehen aus Corning Gorilla Glas 5. Die Seite zieren Ränder aus Aluminium. Durch die leicht abgerundeten Kanten an der Rückseite, einer Dicke von 8 mm und einem Gewicht von 172 g ist es zwar kein Fliegengewicht, liegt aber dennoch richtig gut in der Hand.  Die seitlich rechts angeordnete Powertaste wurde in einer angenehmen Höhe positioniert und ist wirklich gut bedienbar. Nur bei der Lautstärken-Wippe musste ich immer wieder umgreifen.  Sie ist etwas zu hoch angeordnet. Dennoch haben beide Tasten einen guten Druckpunkt und spiegeln die hohe Verarbeitungsqualität seitens HMD Global wider.

Eines der Herzstücke des Nokia 9 PureView ist, neben dem 5,99“ QHD+ pOLED Display mit 2K Displayauflösung ( 2880*1440 ) und Indisplay-Fingerabdrucksensor, die Fünfachkamera mit LED-Blitz und „Time of Flight“-Sensor (ToF). Sie ist nahtlos in die Rückseite integriert.

Zum Indisplay-Fingerabdrucksensor muss man sagen, dass er auf ähnlich gutem Niveau ist wie jener eines Huawei Mate 20 Pro. Auch wenn diese neue Technologie grundsätzlich gut funktioniert: Diese Sensoren arbeiten immer noch nicht so schnell und zuverlässig wie klassische Fingerabdrucksensoren für die Rückseite oder seitlich angeordnete.

Damit man problemlos durch den Tag kommt, wurde dem Nokia 9 ein Akku mit 3.320 mAh mit Wireless Charging im „QI“-Standard spendiert. Ein passendes Schnelllade-Netzteil liegt dem Lieferumfang bei. Meine Meinung zur Akkulaufzeit: Bei ganz normaler Nutzung kommt man problemlos durch den Tag.

Nützt man das Smartphone aber intensiver, empfehle ich eine Powerbank mitzuführen.  Etwa die IOMI Powerbank mit 10.000 mAh. Diese vereint die klassische Aufladung mittels Kabel und Wireless Charging. Mit der IOMI Powerbank kann man zwei bis drei Geräte gleichzeitig laden. Sie  ist somit das optimale Zubehör für das Nokia 9 PureView.

Damit alles flüssig und reibungslos funktioniert, verbaut HMD Global den Qualcomm Snapdragon 845 Prozessor in Kombination mit 6 GB RAM. Diese CPU stammt aus dem letzten Jahr und bestimmt hätten sich sehr viele den 855er Qualcomm gewünscht. Ich persönlich kann die Entscheidung von Nokia aber absolut nachvollziehen. Einerseits kann man so das Smartphone zum aktuellen Preis anbieten. Andererseits ist die Performance dank Android One und 6 GB RAM absolut flüssig und mehr als zufriedenstellend.

Das einzige was mich am aktuellen Nokia 9 PureView absolut stört ist, dass es keine Möglichkeit gibt, den internen Speicher von 128 GB zu erweitern. Natürlich ist es problemlos möglich, seine Fotos und Videos über Google Fotos und Kontakte mittels Google Drive zu sichern. Dennoch hätte ich mir dies für ein Smartphone, das einen aktuellen UVP von 649 € (Stand April 2019) hat, gewünscht.

Abstriche muss man im Bereich Multimedia machen. Nokia hat im Nokia 9 PureView auf eine 3,5 mm Klinkenbuchse verzichtet. Somit können Kopfhörer nur mittels dem beiliegenden Adapter an das Smartphone angeschlossen werden. Aber zumindest wurde an eine Dual Sim Funktion gedacht!

Kamera des Nokia 9 PureView

Ist sie die erhoffte Smartphone-Fotografie Revolution? Das Herzstück des Nokia 9 PureView stellt die Penta-Kamera auf der Rückseite dar. Das Konzept ist, meiner Meinung nach, wirklich genial. Es wurden fünf Linsen mit jeweils 12 MP und derselben Brennweite verbaut. Somit gibt es kein Zoom oder Weitwinkel-Linse. Zwei der fünf Linsen sind 12 MP Farbsensoren, bei den anderen drei Linsen handelt es sich um Monochrom (Schwarz/Weiß) Sensoren.

Zusätzlich wurde noch an ein Blitzlicht und einen „Time of Flight“-Sensor gedacht. Mittels dieser Kombination aus Farb- und Schwarz-Weiß-Sensoren sollen atemberaubende Bilder entstehen.  Als ich die Ankündigung und später über Live-Stream das Nokia Event am MWC mitverfolgte, wurden meine Erwartungshaltungen in die Höhe geschraubt.

Das Prinzip ist relativ simpel: Hat man ein Motiv gefunden, das man fotografieren möchte, betätigt man den Auslöser und das Smartphone macht mit jedem der fünf Sensoren ein eigenes Foto. Somit muss das Nokia 9 dann ein Bild aus fünf einzelnen zusammenrechnen. Dieser Vorgang dauert leider! Oft musste ich zwischen 20 und 25 Sekunden warten.

Das Hauptproblem: Macht man sofort ein zweites Foto, noch bevor das vorherige zusammengerechnet ist, kann es zu Komplikationen kommen und keines der beiden Bilder kann richtig abgespeichert werden. Da ich persönlich kein „Point&Shoot“-Fotograf bin, sondern lieber Landschaften fotografiere, stört mich das Warten nicht besonders, wenn dafür die Bildqualität beeindruckend ist. Nur muss ich hier leider sagen, die erzielten Ergebnisse sind zwar gut, aber mehr auch schon nicht.

Ich bin der Meinung, dass ein Samsung Galaxy S10+, Huawei Mate 20 Pro bzw. das Xperia XZ3 von Sony deutlich bessere Ergebnisse liefern. Persönlich denke ich nicht, dass es hier an den technischen Komponenten liegt, sondern an der Software. Google hat mit dem Pixel XL bewiesen, wie wichtig eine wirklich gute Software bei der Smartphone-Fotografie ist. Somit hoffe ich beim Nokia 9 PureView auf ein Update, das die Kameraqualität und auch die Berechnungszeiten verbessert.

Fazit

Leider ist das Nokia 9 PureView nicht das Fotografie-Wunder, das ich mir gewünscht hätte. Somit kann ich dem Smartphone nicht den Titel „Geheimtipp“ zusprechen. Ich denke, dass man mit einem Galaxy S9, Note 8, P20 Pro oder Sony XZ3 ebenso viel Freude hat. Wenn HMD mit einem Software Update nachbessert und sich die Qualität der Fotografie bessert, ist das Nokia 9 konkurrenzfähig. Momentan ist es ein schönes und interessantes Nischenprodukt.

 


Technische
Daten

Betriebssystem
Android 9.0 Pie
Display
pOLED 2K QHD+ Display mit 5,99 Zoll, 2.880×1.1440 Pixel
Prozessor
Qualcomm SnapDragon 845
Arbeitsspeicher
6 GB RAM
Kamera
5 x 12 MP
Mobilfunk
2G, HSPA+, 4G LTE
Bluetooth
Ja
NFC
Ja
Speicher
128 GB intern
Akku
3.320 mAh
Gewicht
172 g
Abmessungen (mm)
175 x 75 x 8 mm
IP-Zertifizierung
IP67

Kommentieren